Mammillaria
Mammillaria ist eine der artenreichsten Gattungen der Kakteengewächse: Je nach Autor werden 150 bis 200 Arten anerkannt, obwohl in zwei Jahrhunderten über dreihundert Namen veröffentlicht wurden. Das Verbreitungszentrum liegt in Mexiko, wo die große Mehrheit beheimatet ist; einzelne Arten reichen bis in den Südwesten der USA, in die Karibik und ins nördliche Südamerika. Der Name geht auf das lateinische mamilla, Wärzchen, zurück und beschreibt die Höcker, die den Körper überziehen.
Woran man sie erkennt
Das entscheidende Merkmal gegenüber anderen Kugelkakteen: Sie haben keine Rippen. Der Trieb ist stattdessen mit einzelnen Warzen besetzt, die in sich kreuzenden Spiralen nach der Fibonacci-Reihe angeordnet sind. Zudem ist die Areole zweigeteilt — der Scheitelteil bringt die Dornen hervor, die Axille zwischen den Warzen dagegen Blüten, Wolle und mitunter Borsten. Deshalb erscheinen die Blüten nicht im Scheitel, sondern als Ring darum herum, der typische Blütenkranz. Nach der Blüte bilden sich längliche rote Früchte wie winzige Chilischoten, die monatelang an der Pflanze bleiben und fast so dekorativ sind wie die Blüten.
Die Arten in unserem Sortiment
- Mammillaria carmenae var. rubrispina: endemisch in Tamaulipas, in den 1950er Jahren entdeckt, am Naturstandort heute äußerst selten, in Kultur dagegen weit verbreitet. Kugeliger Körper mit sehr feinen, zahlreichen Randdornen, kammartig angeordnet und bei dieser Varietät rötlich bis orange statt weiß. Cremeweiße Blüten mit rosa Mittelstreifen. Mit den Jahren bildet sie dichte Gruppen.
- Mammillaria gracilis, heute als M. vetula subsp. gracilis geführt: der Fingerkaktus. Kleine, zylindrische, weiß bedornte Triebe, die sich bei der leisesten Berührung lösen und dort, wo sie hinfallen, von selbst wurzeln — so entstehen rasch ganze Kolonien. Gelblich weiße Blüten. Einer der besten Einsteigerkakteen und eine unerschöpfliche Quelle für Ableger zum Verschenken.
- Mammillaria geminispina crestada: die Kristatform einer zentralmexikanischen Art, deren Name auf die paarigen weißen Mitteldornen anspielt (geminispina, Zwillingsdornen), auf einem dicht weiß bewollten Körper. Der Kamm entsteht durch Verbänderung des Scheitelmeristems: Die Pflanze wächst nicht aus einem Punkt, sondern entlang einer Linie und bildet gewellte Fächer. Diese stabile Wuchsanomalie wird durch Steckling oder Pfropfung vermehrt, nie über Samen — jede Kristatpflanze ist deshalb ein Unikat.
Pflege
Licht. Volle Sonne, bei Pflanzen aus dem Zimmer stets schrittweise gewöhnen. Stark bedornte oder wollige Arten wie geminispina beschatten sich selbst; kahlere Körper sind in südlichen Lagen um die Mittagszeit für eine leichte Schattierung dankbar.
Wasser. Von März bis September reichlich, aber in großen Abständen: durchdringend wässern und das Substrat vor dem nächsten Guss vollständig abtrocknen lassen. Ab Oktober reduzieren, von November bis Februar ganz einstellen. Diese trockene, kühle Überwinterung bei 5-10 °C ist keine Marotte, sondern die Voraussetzung für die Frühjahrsblüte. Ein Mammillaria, der den ganzen Winter über gegossen und warm gestellt wird, überlebt zwar, blüht aber nicht — und das Wintergießen ist mit Abstand die häufigste Ursache der Basalfäule, bei der der Kaktus von unten weich wird.
Substrat und Topf. Stark durchlässige mineralische Mischung in einem Topf, der zur Pflanzengröße passt; zu große Töpfe halten Feuchtigkeit an Wurzeln, die keine brauchen. Zwei Düngergaben zwischen Frühjahr und Sommer, stickstoffarm und kaliumbetont.
Kälte. Unter 5 °C schützen. Viele Arten vertragen 0 °C, wenn das Substrat knochentrocken ist — es ist die Winterfeuchte, die sie umbringt, nicht die Temperatur.
Typische Fehler
- Im Winter gießen. Der Kaktus wird an der Basis weich, und wenn man es bemerkt, sind die Wurzeln bereits verloren.
- Beim Gießen die Wolle benetzen: Sie hält Feuchtigkeit, verfärbt sich und begünstigt Pilze. Das Substrat gießen, nicht die Pflanze.
- Lichtmangel: Der Trieb vergeilt, der Scheitel verschmälert sich, der Körper bleibt blass und dauerhaft verformt.
- Die Wollläuse übersehen, die zwischen den Warzen und an den Wurzeln sitzen. Sie sind der Schädling Nummer eins dieser Gattung.
Unser Angebot
Wir führen Mammillaria carmenae var. rubrispina, Mammillaria gracilis und eine kristate Mammillaria geminispina, jede Pflanze einzeln ausgesucht und von Almería aus europaweit in einer Verpackung versandt, die Dornen und Wurzeln unterwegs schützt. Sie bleiben handlich, blühen jung und blühen zuverlässig und sind wohl die beste Gattung für den Einstieg in eine Kakteensammlung: dankbar, nachsichtig gegenüber Vergesslichkeit und jedes Frühjahr mit einem Blütenkranz — vorausgesetzt, man gönnt ihnen den trockenen Winter.


